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Customs
titel: Enter The Characters
label: Noisesome / EMI
v.ö.: 30.07.2010
format: CD
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Man könnte meinen, bei dieser Band hätte jemand auf den Fast-Forward-Knopf gedrückt. Die belgischen Customs sind von Anfang an mit einer ganz schön hohen Geschwindigkeit unterwegs. Gerade mal ein Jahr ist es her, dass das Quartett aus Leuven sein erstes Konzert spielte. Dafür sind Customs schon weit gekommen.
Alles fing an, als sie Ende 2008 das erste Mal im belgischen Radio gespielt wurden. „Es gibt in Belgien diese Website namens Vi.be, erklärt Sänger Kristof Uittebroek. „Auf der können belgische Bands sich ein Profil erstellen. Jede Woche sucht der Radiosender ‚Studio Brussels’ dort drei unbekannte Bands aus, die im Radio präsentiert werden. Die Hörer wählen am Ende der Woche dann einen Gewinner, der ein kurzes Interview gibt. Normalerweise war´s das. Aber unser Song hat dem Sender so gut gefallen, dass sie uns, nachdem wir Wochengewinner waren, in ihre Playlist aufnahmen.“ Customs waren damals noch ein Trio, hatten noch kein einziges Konzert gespielt und über ein Album noch nicht mal nachgedacht. Dass ihr Song im Radio gespielt wurde, änderte alles. „Das war wie eine Alarmglocke“, so Uittebroek. „Wir wussten, dass das eine einmalige Chance war.“
„Unser Bassist und ich waren vor ein paar Jahren schon mal zusammen in einer Band und blieben immer in Kontakt. Eines Tages rief er mich dann an und sagte, dass er gerne wieder eine Band gründen würde und ob ich nicht noch irgendwas in meiner Schublade hätte, das er mal hören und mit dem wir arbeiten könnten.“ In der Tat hatte Uittebroek eine ganze Menge in der Schublade, unter anderem das Stück „Rex“, dass Bassist Joan Govaerts sofort gefiel. Govaerts kannte Schlagzeuger Ace Zec und so war die Band Customs gegründet.
Und auch nach dem Überraschungserfolg beim Radio-Sender „Studio Brussels“ ging es für Customs im Eilschritt weiter. Sie holten Gitarrist Jelle Janse dazu, probten bis zum Umfallen die Stücke aus Uittebroeks Schublade, und konnten im Anschluss mehrere Chartserfolge im Airplay verbuchen.
Mit so viel Erfolg als Ego-Pusher im Rücken machten Customs sich im Sommer 2009 im Studio ihres Schlagzeugers an die Aufnahmen ihres Debütalbums „Enter The Characters“. „Da wir alles alleine aufgenommen und produziert haben, stellten wir am Ende fest, dass das echt eine günstig produzierte CD werden würde“, so Uittebroek. „Also haben wir uns gedacht, jetzt können wir ja noch mal richtig durchdrehen und das beste Mastering organisieren, das wir uns vorstellen können.“ Sie fragten bei den Abbey Road Studios an und ließen die zwölf Stücke einfach mal von Geoff Pesche (Gorillaz, Basement Jaxx, LCD Soundsystem, Arctic Monkeys, Athlete, Coldplay and Dizzee Rascal) mastern. „Das ist ein perfektes Beispiel dafür, dass man immer denkt manche Dinge wären unmöglich, aber wenn man es versucht, entpuppen sie sich plötzlich als kinderleicht.“
Heraus kam dabei ein tanzbares und melodiöses New-Wave-Album. Dafür bekamen Customsen den Stempel „Retrofuturismus“ verpasst. Uittebroek findet das ganz passend. „Retro, weil wir wirklich viel Musik aus den Achtzigern hören. Und futuristisch, weil unsere Musik etwas sehr mathematisches hat, etwas sehr geometrisches.“
In den Texten dagegen erzählt Uittebroek stets die kleinen, aber individuell doch so großen Geschichten des Lebens. Wer will, kann in seinen Songs auch allerhand literarische Bezüge finden. In „Violence“ zum Beispiel stößt man auf Shakespeares Montagues und Capulets. „Literatur ist definitiv eine große Inspiration für mich“, erklärt der ehemalige Literaturstudent. „Aber es war nie meine ausdrückliche Intention, als literarische oder intellektuelle Band herüber zu kommen. Vielmehr stelle ich mir beim Schreiben eine Situation vor, die ich beschreiben will. Und manchmal erinnert mich diese Situation eben an etwas, das ich gelesen habe. Aber ich überlege mir nicht vorher, dass ich eine Referenz an Samuel Beckett in einem Song verpacken will.“
In Belgien steuert „Enter The Characters“ übrigens mittlerweile auf Gold zu. Und in Holland spielen Customs auch schon ausverkaufte Shows. Wie gesagt: Irgendwer hat bei dieser Band ganz offensichtlich den Fast-Forward-Knopf gedrückt.
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