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Franz Ferdinand

titel:   Tonight:Franz Ferdinand
label:   Domino / Indigo
v.ö.:   23.01.2009
format:   CD/LP


The marquee of a theatre before a show.
It’s music of the night: to fling yourself around your room to as you psyche yourself for an evening of hedonism, for the dance-floor, flirtation, for your desolate heart-stop, for losing it and loving losing it, for the chemical surge in your bloodstream. It’s for that lonely hour gently rocking yourself, waiting for dawn and it all to be even again.

Ende 2006 waren wir ausgebrannt – physisch, emotional und kreativ. Wir hatten drei Jahre lang entweder im Studio oder auf Tour verbracht und brauchten dringend eine Pause. Alex ging mit The Cribs nach Vancouver, Paul gründete eine Familie, Bob drehte einen Film, und Nick verschwand nach Südamerika. Ein paar Monate später trafen wir uns wieder in Glasgow und waren sehr glücklich darüber, wieder alle beieinander zu sein und hatten Lust, etwas Neues zu schaffen. Nick, der ein Händchen für so was hat, fand ein Haus, in dem wir unser Hauptquartier einrichten konnten: es ist ein heruntergekommenes viktorianisches Rathaus. Der Vormieter war eine Drogenhilfseinrichtung, die das Gebäude kurz zuvor aufgegeben hatte. Die alten Flock-Tapeten waren eine wenig abgeblättert, und der psychedelisch anmutende kommunale Teppich war vom Nikotin von fünfzig Jahren Ratsversammlung eingefärbt.
Aber die Atmosphäre stimmte, und die monatliche Miete betrug die Hälfte dessen, was man für ein Londoner Studio pro Tag bezahlt. Nach unserer ersten Session gab es Lärmbeschwerden von einem nahe gelegenen Gehörlosenheim, aber nachdem wir die Fenster mit Glaswolle und Ziegeln isoliert hatten, wusste niemand mehr, dass wir da waren. Das Tageslicht verschwand, und es wurde immerwährende Nacht. Wir bemerkten es zunächst nicht, aber langsam entwickelte sich die Stimmung der Platte.
Wir fingen an, Songs zu schreiben, ohne einen bestimmten Plan. Den hatte es auch nie gegeben. Wir schrieben Songs und probierten sie auf Konzerten aus. Nicht auf großen Gigs, sondern in kleinen, verschwitzten Clubs und Pub-Kellern. Hier ist alles ein wenig chaotisch und läuft über Mundpropaganda, die Songs bekommen den geeigneten Raum, um zu leben – oder halt zu sterben. Man weiß eben nie vorher, wie gut ein neuer Song ist, bis man ihn vor Publikum gespielt hat. Du weißt aber auch nicht, ob ein Song Mist ist, bevor du ihn vor Publikum gespielt hast. „Anyone In Love“ starb im Captains Rest, aber „Turn It On“ machte uns an. „English Goodbye“ starb im British Aluminium Club in Fort William, aber „Ulysses“ wurde immer größer, nachdem wir Glasgow verließen.

Wir verbrachten einige Tage mit Brian Higgins und seinem Xenomania-Team [Englands fĂĽhrendes Pop-Produktionsstudio] in Kent. Wir genossen die Zeit, und sie war auch sehr inspirierend, aber sowohl ihm als auch uns wurde klar, dass wir keine Platte zusammen machen sollten. Unsere Welten waren einfach zu verschieden.

Mit der Hilfe von Paul Savage entwickelte sich unser Hauptquartier zu einem Studio. Paul war einst der Schlagzeuger der Delgados und Techniker im Chem 19, dem Chemikal-Underground-Studio in Glasgow. Wir schleppten ein altes Flickinger-Mischpult ins Haus, das Bill Skibbe in Michigan aufgestöbert hatte, während Allen Johnston die Räume verkabelte.

Dann trafen wir Dan Carey. Als Produzent war er perfekt – ein verrückter Mischer, ein chaotischer Experimentator. Mit ihm aufzunehmen ist wie mit einem boshaften Superhirn in ein Labor einzubrechen, um zu sehen, was man alles in die Luft jagen kann. Das war ein Heidenspaß! Eines Tages kletterte Nick in das Gebälk der Halle, um an einem Zehn-Meter-Kabel ein Mikro aufzuhängen. Das Mikro baumelte an einem umgekippten Verstärker vorbei, in dem sich Alex’ Gitarre rückkoppelte. So verformten wir mit dem Doppler-Effekt eines vorbeifahrenden Rennwagens oder einer herabstürzenden Spitfire den Sound von „What She Came For“.
Ein Haufen obskurer und längst vergessener 70er-Jahre-Synthesizer wurde für Stücke wie „Can’t Stop Feeling“ und „Lucid Dreams“ mobilisiert. Als primitive Hallfedern hingen Super-Slinky-Gitarrensaiten von der Decke. Und manchmal, wie bei „Live Alone“, machten wir’s super Hi-Fi-mäßig und kompakt in unserem schalldichten Raum, dann wieder auf Tracks wie „Send Him Away“ rockten wir im Keller unter der Bühne – nur mit einem Mikro, so dass es klingt, als stehe die Band direkt neben dir. Wir klapperten mit menschlichen Knochen als Percussion auf „No You Girls“ und sangen in die Dunkelheit hinein, von nichts anderem begleitet als von einem Schaudern in den Gliedern und den tanzenden Gespenstern der Samstagnacht.

Wie dem auch sei, hier ist es: „Tonight: Franz Ferdinand“. Du kannst es dir leise anhören, aber laut ist es besser. Du kannst es dir tagsüber anhören, aber besser hörst du es nachts.
Franz Ferdinand, Dezember 2008

www.dominorecordco.com
www.franzferdinand.co.uk


Bandbesetzung:
   

Robert Hardy
Alexander Kapranos
Nicholas McCarthy
Paul Thomson



Designed and engineered by Elastoboy GmbH   mehr infos: http://www.franzferdinand.co.uk/  oder bei Verstärker!
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Cover

Tonight